Elf Zeilen
Montag, 26. November 2007
Ich hasse Menschen. Also nicht alle. Und vor allem nicht immer. Manchmal habe ich richtig rührselige Momente. In denen sähe neben mir der Dalai Lama wie ein prügelnder, gewerkschaftsloser Zuhälter aus. Dennoch kommen mir Vertreter dieser Gattung so quer ins limbische System, dass ich atomare Erstschläge über den betreffenden Wohnhäusern als Akte der Humanität anzusehen bereit wäre. Eine Lebensform sticht hierbei immer wieder unangenehm hervor: Studenten.
Ursprünglich angedacht als intellektuelle Speerspitze der Gesellschaft, vergleichbar mit einer nachwachsenden Ressource im Wald der Weisheit, gehen mir diese lebensunfähigen, vollkommen merkbefreiten Randnotizen menschlicher Verfehlungskataloge dermaßen auf den Zeiger, dass ich mit körperlichem Abstoßungsverhalten reagiere.
Ich will jetzt keine Brandrede halten. Keine weiteren Schilderungen darüber, wo es mich überall zwickt, wenn selbstgerechte "Hello Kitty"-Muschis ihre Anträge auf gewaltsames Frühableben stellen; Alternative aller Couleur ihre Umgebung an der wenig ordnungsgemäßen Prozesshaftigkeit ihres Schwachsinns teilhaben lassen - ungefragt, versteht sich; dieselshirtbekleidete Ingenieurswissenschaftler mich neben dem Eingang der Albertina erzgebirgisch akzentuiert fragen: "Wo gehts denn hier zur Bibliothek?".
Nein, all das bleibt verschlossen in meinem Herzen, grollgenagt es auch immer mehr zu Stein werden droht. Interessanter ist die Frage, wie es mir dennoch immer wieder gelingt, der herzliche, eloquente, gut aussehende, verbal beflissene Schöngeist zu sein, den die Welt in mir sieht. Nun, die Antwort lautet: Kultur. Und um zu vermitteln, dass es soetwas noch gibt, ist in all seiner leistungsgesellschaftlich betrachteten Nutzlosigkeit das Feuilleton der deutschen Zeitungen. Und die Blogs, die darüber berichten.
