Was würde GOTT tun
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Tage wie dieser lassen mich an der Leibnizschen Theorie der Besten aller Welten zweifeln. Während ich mit einer Magenverstimmung alleine im Bett liege, machen sich Frau und Kind über die schwiegermütterliche Weihnachtsgans her. Mir bleibt das bewährte Kombipräparat Zwieback-Kamillentee denn die tektonische Aktivität in der Magengegend vertreibt jede Hoffnung auf richtiges Essen. In der Wohnung unter mir feiern die Blockwarte irgendetwas, zu dem sie zwingend laute Volks- und Schlagermusik benötigen. Kalte Füße habe ich zudem auch. Klar kann man sich nun auch mal ein gutes Buch gönnen oder alle Startcartoons der Titanic ansehen. Aber das ändert ja nix an der Gesamtsituation™.
Wie immer in diesen Momenten frage ich mich dann: Was würde ER jetzt tun? Denn simmerdommaerlisch: Das Wetter sieht aus wie ein November, der sich zum April hat umoperieren lassen. Und die Menscheit hätte auch mal wieder ein Update nötig, Ok, wegen des Wetters könnte man den zuständigen Abteilungsleiter (Petrus) entlassen. Aber was ist mit der Welt, den Menschen, dem Universum und dem ganzen Rest? Was wäre, wenn der Admin im Himmel das Marode von der irdischen Festplatte beseitigen wöllte?
Wenn GOTT Windows benutzen würde
Nachdem das Entfernen des werksseitig voreingestellten Häkchens bei „Menschlichen Bullshit dulden und es als Willensfreiheit verkaufen“ erfolglos bleibt, versucht ER die Online-Hilfe aufzurufen. Doch zu früh gefreut:
Dieses Feature ist noch nicht implementiert. Bitte wenden sie sich an den Support.
Da ER für seine Home-Version keinen Premiumsupport erworben hat, muss er sehen, dass ER das Programm in einen funktionierenden Ausgangszustand bringt. Hierfür de- und neuinstalliert ER Human Being III, doch auch das bleibt erfolglos, da in der Registry sinnlose Einträge aus der „Götter BILD“ (Spiele: So aktivieren sie geheime Funktionen!) das neu aufgespielte Programm weiterhin beeinflussen.
Was bleibt ist Plan „Noah“: Ein komplettes Partitionieren & Formatieren, sowie das Neuaufspielen des alten Betriebssystems. Doch keine sieben Tage später ist der alte Schlendrian wieder eingekehrt. Also beschliesst GOTT die Anschaffung neuer Hardware. Als OEM liegt ein neues Betriebssystem bei, mit dem alles sicherer, bunter und schneller gehen soll: Mensch Vista. Doch in Wirklichkeit wird alles nur noch schlimmer. Zeit für eine Radikalentscheidung: Downgrade zu Mensch 3.1. Sieht zwar hässlich aus, ist schwanzlangsam, funktioniert aber irgendwie. Von nun an wird GOTT zwar überall ausgelacht, kommt aber wenigstens ein bisserl voran.
Wenn GOTT Linux benutzen würde
Dank des automatischen Online-Updates sind die schlimmsten Bugs und Viren (Satan, Seuchen, Stefan Raab) halbwegs kontrollierbar. Doch irgendwie scheint auch die letzte Aktualisierung nicht den gewünschten Erfolg zu bringen. Was tun? Natürlich: Die neueste Software muss aus den Quelltexten (Da-Vinci-Code) selbst kompiliert werden. Doch das schlägt wegen nicht erfüllter Paket-Abhängigkeiten (erde 0.5, universum 3.3, etc.) fehl. Nach Stunden des Suchens in einschlägigen Foren, stellt ER mangelnde Hardware-Unterstützung fest. Auch hier wird nicht lange gefackelt sondern schnell Nachschub besorgt. Plötzlich fällt aber alles wegen eines nicht beachteten Nebeneffektes seitens des HW-Entwicklers auf der Erde nach oben. Das ist nicht nur unpraktisch wegen der Vier-Schanzen-Tournee, sondern auch finanziell unschön, denn Umtauschen geht nicht mehr; nachdem die neue Hardware nur mit einem Hammer in den angeblich normierten Steckplatz zu montieren war, bildeten sich feine Risse auf den Grundfesten.
Hier trifft sich nun endlich der Windows- mit dem Linux-Nutzer: Frustriertes Formatieren des kompletten Systems, Aufspielen einer neuen Distribution. Das bringt neue Features, die keiner braucht (Schwangere Männer) & und nimmt alte Features weg, ohne Bescheid zu geben (Solidarität, Familiensinn, Mitgefühl). So spielt ER kurzfristig mit dem Gedanken, auf Windows umzusteigen. Plötzlich klingelt es und Zeus steht vor der Himmelspforte: „Hömma, Du kennst dich doch aus mit Computern und so Kram…“. Ambitioniert produziert ER einen Totalabsturz nach dem anderen. Weil aber das System keine vernünftigen Auskünfte über seine inneren Prozesse gibt und GOTT im Allgemeinen keine Ahnung von Mensch XP hat, lässt ER Zeus mit einem marodierenden Volk sowie dem Hinweis „Alles neuformatieren und aufspielen“ zurück. Daraufhin legt ER den Windowsgedanken zu den Akten. Denkt über Apple nach. Lässt auch das sein, weil ER nicht mit den ganzen Götzen und Dschinns in den Topf „Early Adopter“ geworfen werden will. So stellt ER einfach seine Arbeitsweise um und passt sich brav seinem Linux an. Und wenn ER einen Virus hat, betrifft das nur ihn selbst.
Wenn GOTT Apple benutzen würde
Die anderen Götter hielten ihn dann sicher für einen Kreativen. Doch würde GOTT die Missstände dieser Welt gar nicht zur Kenntnis nehmen können, weil ER vor lauter *blinkblink* nicht zum Nachdenken käme. Ok, ER hätte dann zumindest die schönste aller Welten entworfen, aber wehe ein Bauteil ginge kaputt.
Was folgern wir daraus?
GOTT benutzt einen KC 85 aus dem Hause Robotron. Langsam, hässlich, viel zu groß, leistungsschwach, aber man kann alles selber machen: Programmieren, Hardware selbst zusammenlöten, BASIC-Listings abtippen oder aus dem Äther empfangen. (Womit nebenbei der Beweis erbracht worden wäre, dass GOTT ein Ossi ist.) Und wenn ich heute aus dem Fenster schaue, bin ich der festen Überzeugung, dass an seinem Gerät ein kleiner Junost hängt…
Die längste Nacht
Sonntag, 21. Dezember 2008
Die Frau Liebste merkte heute an, dass der 21. Dezember nicht nur kalendarisch den Winteranfang, sondern auch den kürzesten Tag im Jahr darstellt. Spontaner Entschluss: Spaziergang durch nieselnasse Stötteritz. Denn was vertreibt die „White Christmas“-induzierte Depression besser als ein „Black Advent“?
Faszinierend: Mit welcher Ergriffenheit Menschen den Vorplatz des illuminierten Völkerschlachtdenkmals verlassen. Mittelgroßschrittig flaniert man vorbei an Schlagloch und Matschpfütze; derweil wetzt ein Hund quer über die Zufahrtswege. Gesprochen wird nicht oder nur wenig und leise. Eine junge Frau in Cowboy-Stiefeln schultert fröstelnd ein Täschleinchen. Ihr Begleiter pfeift nach dem Hund. Junge Eltern rennen mit ihrem Kind nach der Bahn.
Am Abend verkündet der Wetterbericht die 15-Tage-Tendenz: Es bleibt warm. Zu warm. „Schnee an Weihnachten“ lässt sich wahrscheinlich nur noch über radioaktiven Fallout realisieren. Vielleicht bekommen wir noch ein weißes Silvester (oder Sylvester, wie die Kneipe der Hoffnungslosigkeit ein paar Straßen weiter ihr Event-Buffet anpreist). Dann sind auch die Nachmittagsspaziergänge nicht mehr so finster. Trotz Cowboy-Stiefel.
