LVB-Sozialticket

Mittwoch, 30. Juli 2008 ~ Kommentier mich...(4) ~ Twitter mich...

Robert Hesse kommentiert in seinem Blog die Entscheidung der Stadt Leipzig, nicht die Mehrkosten für ein Sozialticket zu übernehmen. Da ich aber den angeschlagenen Ton für unpassend und die angewandte Argumentation für problematisch halte, möchte ich hier antworten:

Robert ist grundsätzlich mit der Idee einverstanden. Jedoch beteiligt er sich nicht an der Durchsetzung:

Ich habe trotzdem nicht unterschrieben bei der Unterschriftensammlung, weil eines klar ist: Die Stadt kann sich das nicht leisten.

Mit Verlaub: Diese vorauseilende, vorgeblich auf guten Gründen basierende Verweigerung verkennt das wahre Anliegen einer Unterschriftensammlung. Ein Euphemismus hierfür wären die leidigen Aussagen des Typs "Warum engagieren? Nützt doch eh' nix!". Und "...klar ist..."? Diese wasserdichte Sicherheit in der Aussage über komplexe Systeme, wie es der Haushalt einer Stadt nun mal ist, verwundert mich jedesmal aufs neue.

Daran schließt sich später seine Aussage

Aber die Folgen des Zieles einer solchen Initiative werden nicht berücksichtigt

über die Bürgerinitiative an. Diese darf wohl mit Fug und Recht als unplausible Mutmaßung betrachtet werden. Es ist meines Erachtens nämlich nicht kurzsichtig, wenn bei der Formulierung eines Bürgerwunsches die Folgekosten noch nicht in Gänze kalkuliert wurden. Wie sollten sie dies auch leisten? Und: Müssen sie es notwendigerweise? Ich würde dies verneinen, denn die Äußerung eines Wunsches ist auch nur als solche zu verstehen - nicht als in allen Belangen durchexerzierter Haushaltsplan. Dabei gestehe ich ihnen zugleich natürlich die Möglichkeit zu, genau dies getan zu haben, dabei aber vielleicht andere Wege der Finanzierung zu präferieren als Robert bzw. die Stadt.

Wenn die Verantwortlichen dann "Geht nicht, weil..." antworten und eine nachvollziehbare Begründung hintan stellen, ist dem demokratischen Anspruch der Bürgerinitiative genüge getan. Selbst pragmatisch begründete Ablehnungen, die auf dem akut andauernden Fehlverhalten der Stadtoberen basieren, müssen dann seitens der Bürger akzeptiert werden - So bitter die Tatsache auch ist, dass man einen prestigeträchtigen City-Tunnel "braucht", aber sozial Schwache bei der täglichen Fahrt mit der Straßenbahn nicht unterstützen kann. Das berechtigt aber noch immer nicht zu wenig schmeichelhaften Äußerungen seitens der Intiativskeptiker.

Besonders kritisch empfinde ich Äußerungen wie

Zu dem Zeitpunkt der Umsetzung ist die Initiative bestenfalls schon nicht mehr existent, kann und darf für Folgen nicht mehr verantwortlich gemacht werden.

(Und schlechtenfalls?) oder joviale Tipps aus dem "Ökonomiebuch für Hausväter"

Das Geld für das Sozialticket muss irgendwo herkommen. [...] Wenn Ihr privat Geld ausgeben wollt, dann müsst Ihr auch welches haben...

Diese wirken letzlich nur noch wie ein wenig ernstzunehmendes Nachtreten von denen, die sich vermeintlich zu Recht in der Rolle des Politik-Stubenältesten so richtig wohlfühlen, wissend, dass dies derzeit die einzigen Hoffnungsschimmer sind, die Licht ins poltische Schattendasein bringen.

Man kann sicher über diese oder jene Initiative geteilter Meinung sein. Dem Instrument als solchen aber aber implizit die Sinnhaftigkeit abzusprechen, weil es nicht in aller Präzision die Restrisiken und Rückfinanzierungsstrategien zum Anliegen präsentiert, schafft nur eins: Noch weniger Vertrauen in basisdemokratische Werkzeuge. Und gerade eine bürgerliche Partei - wie sie die Roberts FDP ist - gräbt sich damit selber das Wasser ab.

An alle!

Donnerstag, 24. Juli 2008 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

Neulich an unserer Haustafel:

Mit diesen Aushang wird eine Unterschriftensammlung gestartet wegen des mutwilligen störenden Fußballspielens im angrenzenden Hinterhof auf dem Wäscheplatz, was zur Folge hat zerstören von Lichtanlagen,Hecken,Grünflächen von immer wieder den gleichen Jugendlichen. Jeder der eine Änderung mitbewirken möchte, wird gebeten um eine Unterschrift bis zum Donnerstag den 17.07.2008 um wieder Ruhe und Ordnung ins Wohnviertel einkehren zu lassen. Danke*

Die einfachsten Dinge sind die schwersten: Begegne Dummheit nicht mit Wut. Hass der Weg zur dunklen Seite ist. Argumentiere! Frage zum Beispiel die LWB, die heute mit einem Aushang "Fußballspielen auf dem Wäscheplatz: VERBOTEN!" auf obigen "Petition" reagierte, ob sie wissen, dass der Verfasser dieses Schreibens schonmal angefangen hat, für "Ruhe und Ordnung" zu sorgen:

Fußballspiel mit Körperverletzung Ein 13-jähriger Junge spielte mit seine beiden Freunden auf einer Wiese hinter den Wohnhäusern in Leipzig, OT Reudnitz-Thonberg Fußball. Da nicht jeder Schuss seinen Weg ins Tor fand, mußten die drei Jungen den Ball auch einmal in einem Gebüsch suchen. Plötzlich erschien ein ca. 40 Jahre alter Mann, der den 13-jährigen Jungen in das Gebüsch schubste. Anschließend zog er den Jungen wieder heraus und drückte ihn zu Boden. Dabei schlug der Mann auch auf das Kind ein und beschimpfte es.

Der Junge erlitt einen Bluterguss am Ellenbogen und Hautrötungen am Hals. Erwachsene, die diesen Sachverhalt sahen, griffen ein und zogen den Mann weg. Dieser verließ anschließend mit einem Fahrrad den Ort. Überprüfungshandlungen vor Ort ergaben den Hinweis auf einen Tatverdächtigen im Umfeld des Wohnblocks. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung wurden eingeleitet. (Quelle: LEPD)

Oder dass deutsche Gerichte solchen Anliegen meist die lange Nase zeigen. Oder sie vergessen haben, dass sie mit Kinderfreundlichkeit werben. Oder man Briefe im Blockwart-Duktus in den Müll wirft. Oder sowas meine Reaktion nach sich zieht. Unweigerlich und gnadenlos. Elende Balkon-Goebbelse. Und dann ist Schicht. Zum Kotzen, dieser gutbürgerliche Ruhe-und-Ordnung-Faschokram.

*Die muttersprachlichen Fehlleistungen wurden inklusive aller Typos übernommen.

Man weiß ja nie

Mittwoch, 23. Juli 2008 ~ Kommentier mich...(2) ~ Twitter mich...

...mit wem man so die Schulbank gedrückt hat - weder im Guten noch im Fatalen.

Klassenfoto Wittgenstein & Hitler

Aber es ist dennoch frappierend, wie nahe Genie und Wahnsinn hier beieinander liegen.

Was das Bit nicht trägt, weiß das Papier

Montag, 21. Juli 2008 ~ Kommentier mich...(2) ~ Twitter mich...

Da irrt der FEFE: Die FAZ schleimt hier nicht über den "Mephisto" Hanning. Läse er nicht nur die Online-Variante des Artikels über den Geheimdienstkoordinator, hätte er sicher seine Freude am Original gehabt. Ebendieser Artikel stand nämlich auf der Rückseite einer Doppelseite, auf der über das siebenjährige  Foltermartyrium der bulgarischen Krankenschwestern in Lybien berichtet wurde. Selten so viel Subversion in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erlebt - zumindest wenn man eine Zeitung als Ganzes wie einen Text liest.

Freitags

Montag, 21. Juli 2008 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

fühlt sich mein Kopf wie ein Rangierbahnhof undeklarierter Gedanken an, dessen Dispatcher seit Wochen auf Urlaub ist; montags hingegen ähnelt er einer Magistrale, auf der die Straßenreinigung den Müll eines Rosenmontagsumzuges entfernt und die Befahrbarkeit wieder hergestellt hat.

[Weniger Bilder! WENIGER BILDER!]

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Dieser Beitrag stammt von der Internetseite http://www.flohbu.de und wurde am 6. Juli 2009, um 22:28 Uhr ausgedruckt. Alle Inhalte unterliegen der Creative Commons Lizenz. Es ist Ihnen gestattet, das Werk zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Zu den folgenden Bedingungen: