Diktatoren-Recycling
Montag, 28. April 2008
Nachlese: "Als wir träumten" im Schauspiel
Donnerstag, 17. April 2008
Sogar MDR Figaro war es eine Meldung wert: Meyers Roman kommt auf die Bühne. Regisseur wird Armin Petras sein, Berliner mit Leipziger Literaturambitionen ("Horns Ende"). Was stört den unvoreingenommenen Theater-Reudnitzer an dieser Nachricht? Erstens führt ein Nicht-Leipziger das Stück, zweitens ein Berliner, also ein Kunstschaffender der Stadt, deren Theaterbühnen vor Exkrementalkunst kaum noch betretbar sind.
Was aber die Augenbraue schmerzhaft in die zweite Etage schnellen lies war die Tatsache, dass die Handlung um die fünf Unterschichten-Jungs allesamt von Frauen gespielt werden sollten - Im Gegenzug dafür alle Frauenrollen vom Grandsignore des Leipziger Schauspiels, Bernd Stübner. Verfremdungseffekt des Theaters nennt das der Fachmann. Oioioi ich.
Zu sehen bekam man eine spartanische Spielfläche, dominiert von einer großen, grauen Wand. Fünf Frauen die Männer spielen: Lächerlich. Genauso wie bei fünf Heranwachsenden: Deren Männlichkeitsimitation wirkt genauso unglaubwürdig. Und genau das ist der Schlüssel zum ganzen Stück, dass mich nach 15 Minuten so sehr in seinen Bann gezogen hatte, dass die nervigen Rückenschmerzen der letzten Tage vergessen waren. Mit brutaler Hingabe und zärtlicher Verzweiflung gestaltet, "sah man die Brüste gar nicht mehr" (Zitat einer Begleiterin). Stattdessen bekam der sowieso schon hervorragende Roman hier die theatrale Illustration, die er verdient. Und das alle Vorstellungen bis Mai ausverkauft sind, ist mehr als gerechtfertigt. Wohl dem der eine Karte ergattern konnte.
Und wieder beweist sich eines: Wer richtig gute Dinge sehen will, sollte den Fernseher abschalten, den Kinosaal verlassen und ins Schauspielhaus gehen. Ist übrigens auch werbepausenfrei. DANKE Herr K.!
Re: Wiedervorlage
Dienstag, 15. April 2008
Nochmal für die "Jugend der Welt": Wer noch immer der Meinung ist, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben, möge sich bitte mal dieses Bild ansehen und versuchen zu erraten, wo dieser - sicher vollkommen unpolitische - Event stattfindet. Tipp: Es ist kein Frisurencheck, der hier vorgenommen wird. Hier der dazugehörige Beitrag bei Tagesschau.de
Wie man Vaseline im Gefecht macht...
Sonntag, 13. April 2008
oder man sich als Professor Arbeit erspart.
1. Schritt: Angst machen
Man präsentiert in der ersten Veranstaltung eine gerüttete Liste an Literatur; natürlich alles schwer lesbare Philosophen, gerne auch nicht in Deutsch. Schließlich studieren diese Typen im Raum ja nichts weiter als Philosophie und belegen darüber hinaus auch nur Ihr Seminar!
2. Schritt: Ankündigung des Lesepensums
Lassen Sie ganz beiläufig Sätze wie "Bis zur nächsten Woche haben sie im Reader alle Texte von XY gelesen..." fallen. Das böse Erwachen kommt dann nämlich noch: Wenn der Student feststellt, dass es sich dabei um 73 (in Worten: Dreiundsiebzig!) A4-Seiten handelt. Das macht dann 73 Blätter x 2 Buchseiten pro Druckseite x 2 wegen der Doppelseitigkeit ~ 280 Buchseiten.
3. Schritt: Bedenken Sie die Schnelleser!
Diese unangenehme, wenn auch seltene Spezies neutralisieren Sie, indem der besprochene Reader erst am nächsten Tag, "irgendwann gegen 12" bei der Sekretärin des Instituts zum Kopieren erhältlich gemacht wird. Da aber die flinken Buchstabenschlinger meist auch beflissene Kopisten sind, also wahrscheinlich zu den Ersten der rund sechzig Seminarteilnehmer zählen werden, müssen Sie findig sein und noch eine Hürde einbauen: Am besten bieten Sie eine Druckvorlage an, die so vergraut und kontrastlos ist, dass das Resultat nur mittels hochauflösender Kameratechnik lesbar ist.
4. Schritt: Wenn Du sie nicht los wirst, verwirre sie!
Sprich am besten in der kommenden Seminarstunde über alles - Nur nicht über den Inhalt des zu Lesenden! Selbst die härtesten Kämpfer kapitulieren vor verquasten Theorien über Kant, Hegel und Marx. Die wenigen, die dann noch im Raum sind, stehen entweder auf die Erniedrigungen !§$&%#nder Professoren, oder sind genau so behämmert wie Sie.
Conclusio: Konterstrategien bei Einsprüchen
Sollte wider Erwarten ein Seminarteilnehmer unter der unheilbaren Krankheit "Rückgrat" leiden, schmettern Sie seine Beschwerden am besten mit:
- "Was dachten sie denn? Ist doch schließlich Geisteswissenschaft..."
- "Jaja, in meiner Zeit mussten wir ja noch viel mehr lesen..."
- "Ist nun mal ein leseintensives Studium..."
ab. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen über Banalitäten wie "Musste arbeiten gehen, um überhaupt studieren zu können", "Kopiervorlage war ständig außer Haus" oder "War krank" ein; da stehen Sie doch drüber! Und: Machen Sie sich im Semester häufig vor versammeltem Plenum über die Einsprüche und den Einsprechenden lustig. So oder so: Viel Spaß! Und keine Angst, Sie sind Beamter und keiner Sau Rechenschaft schuldig; wozu gibt es schließlich die Freiheit der Leere...
Schlimmer geht's immer
Dienstag, 8. April 2008
Neuer Tag, neues Glück an der Frank-Burns-Gedenkuniversität für grassierenden Un-, Schwach-, und Blödsinn: Heute kam der Dozent einfach mal nicht. Ich warte mal ab, was mich am Donnerstag erwartet; ich tippe mal auf eine Fahrscheinkontrolle im Hörsaal.
Erfreuliches gibt es in der FAZ zu lesen: In einem Interview beantwortet der Arzt und Autor Remo Largo Fragen zum Thema "Gesellschaft, Familie, Kind". Absolut lesenswert!
Nebenan setzt übrigens gerade der Kleinstfloh beim Händewaschen das Bad unter Wasser und lacht dämonisch.
