Mit einer
Dienstag, 29. Januar 2008
Träne im Knopfloch feiere ich gerade die letzte Vorstellung des "Hauptmann von Köpenick". Schön wars. Und sie haben mich sogar dafür bezahlt. Wenn ich es recht bedenke, war das der erste Job, den ich von Anfang bis Ende gemacht habe, ohne mich dabei beschissen zu fühlen oder in eine Lage gekommen zu sein, in der ich nicht mehr ich selbst war - Eigenartig, vor allem wenn man kostümiert und mit falschem Bart auf einer Bühne steht. "Mein Gesicht für mein Produkt" quasi. Das habe ich gelernt:
- Schauspieler sind auch nur Menschen. Voller Unsicherheit und Dankbarkeit.
- Schauspieler sind auch nur Handwerker. Mal regiert der Pfusch, mal die Brillanz.
- Theater ist mehr Werkstatt als Musentempel. Abgehobene Typen holen zwar Leute auf die Sitze. Das Ensemble um sie herum erfüllt sie aber mit Emotionen.
- Und damit besser als jede Fernsehunterhaltungsseriensendung. Das sowieso.
- Theater ist einfach geil. Gehet hin.
Danke an alle Besucher, alle Freunde (besonders meinen besten, den vollbärtigen Herrn K., den König des Stammes der Prokrastos) und Kommilitonen, die mich als Mitglied des fliegenden "Kommandos Pornobalken" gesehen haben und so einen klitze Beitrag zum Erhalt der Leipziger Kultur leisteten. Ach ja: Party on!
(PS: Wer errät, welche Sorte Chips auf dem Fotto zu sehen sind, darf sich eine baugleiche Tüte kaufen!)
Selbstversuche
Samstag, 26. Januar 2008
Klassische Aussage:
Wenn ein Baum im Wald umfällt, und niemand sieht oder hört das Umfallen, ist es nicht geschehen. Der Baum liegt beim nächsten Betrachten einfach nur da.
So viel zur Theorie. Nun zur Praxis.
Wenn ein Mensch gefoltert wird, und niemand sieht das oder kann sichtbare Spuren der Folter feststellen, ist nichts geschehen. Der Delinquent war dann einfach nur geständig.
Ein beliebtes Mittel für dererlei Befragungsformen stellt aktuell das sogenannte Waterboarding dar. "Beim Opfer wird durch Ausnutzen von Würgreflexen physiologisch zwingend der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem die Atmung durch ein Tuch, welches ständig mit Wasser übergossen wird, stark erschwert wird." (Quelle: Wikipedia). Klingt harmlos, und zwar so sehr, dass gewisse Personen hierin endlich den lang ersehnten Königsweg zwischen Folter (böse) und Informationsbeschaffung (wichtig) sehen.
Wie sich das auf das Befinden eines Menschen auswirken kann, hat ein User im "Straight Dope Message Board" ausprobiert. In seinem Beitrag namens "I waterboard" schildert der Freitaucher seine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Intensitätsstufen dieser Verhörmethode. Sein Fazit:
It took me ten minutes to recover my senses once I tried this. I was shuddering in a corner, convinced I narrowly escaped killing myself. [...]
I would have sold my children to escape. There was no choice, or chance, and willpower was not involved. [...]
So, is it torture? I'll put it this way. If I had the choice of being waterboarded by a third party or having my fingers smashed one at a time by a sledgehammer, I'd take the fingers, no question. It's horrible, terrible, inhuman torture. I can hardly imagine worse. I'd prefer permanent damage and disability to experiencing it again. I'd give up anything, say anything, do anything.
Dieser Eintrag ist für alle Befürworter von "Rettungsfolter". Nicht die Wahrheit werdet ihr erfahren; nur das, was ihr hören wollt, damit ES aufhört. Wie bei der Spanischen Inquisition: Die hatte ja auch nur die besten Vorsätze... (Via FeFe)
Feind hört mit!
Sonntag, 13. Januar 2008
Mit dem Schutz persönlicher Daten kann man nicht früh genug anfangen. Selbst in unserer KiTa schützt man die Kundschaft vor der grundsätzlich bedenklichen Ermöglichung gezielter Sabberprofile. Ein guter Zug, wie ich meine.

Apropos Wurzelbehandlung
Montag, 7. Januar 2008
So, nun isses raus: Doch keine erkältungsbedingte Reizung oder ein ähnlicher Weicheizinnober. Der Patient hat absterbende Nerven und hundert Punkte auf der Nekrotiker-Skala - Schwacher Trost für dentale Degenerierte, von Innen Faulende, kurz: Für Leute, die keine Betäubung mehr brauchen, weil die Nerven im Nirvana sind. Klingt schlimm. Ist es auch.
Aber dennoch kann man dies toppen. Wenn man zum Beispiel im Blog eines Zahnarztes einen Kommentar zur eigenen Wurzelbehandlungsproblematik hinterlässt, immer in der Hoffnung, dass der Halbgott mit Bohrer sich dazu äußert. Vor allem, wenn das schon rund siebzig User vor einem getan haben. Ebenfalls ohne eine Antwort erhalten zu haben. Das müssen Schmerzen sein...
Nachtrag: Der betreffende Zahnarzt Dr. Gerner hat sein Vorgehen im Kommentarbereich dargelegt - sehr schlüssig, wie ich meine. Doch damit kein falscher Eindruck entsteht: Mein Beitrag war ernst gemeint. Es ist tatsächlich so, dass man sich die Strohhalme auch an verzweifelten Orten zusammensucht, wenn man unter dieser dentalen Fehlfunktion leidet. Also die Intention meines Posts mehr im Bereich "Verständnis" und weit entfernt von "Häme" ansiedeln.
Exeku-, Legisla-, Judika- und andere Untiven
Sonntag, 6. Januar 2008
Wie oft hört man die Politiker sagen, dass ihre bürgerrechtsvergewaltigenden Gesetze "nur in Einzelfällen" oder lediglich nach "gewissenhafter Prüfung durch einen Richter" zum Einsatz kommen, sich also niemand Sorgen darüber machen muss, versehentlich in die rechtsstaatliche Häckselmaschine zu kommen?
Meines Erachtens: Zu oft.
So wie ich beim Kleinstfloh weiß, dass sein Bauch voller Süßkrams ist, wenn er mir eidesstattlich versichert, "nur eins!" der Gummibärchen gegessen zu haben, offenbart sich der fatale Charakter politischer Aussagen durch die ständige Wiederholung der "Keine Angst"-Klausel. Denn wie sieht es denn aus, wenn mündige Bürger sich auf ihr Gewissen berufen und dabei auf Leute in Entscheidungspositionen treffen, die diesen Bestandteil ihrer ethischen Grundausstattung outgesourced und durch die pflegeleichtere Paragrafenreiterei ersetzt haben?
Am 16. April 2005 erhielt Hauptfeldwebel Ernst-Zettl Order, Personenkontrollen an afghanischen Frauen vorzunehmen, die im Camp beschäftigt waren. Hierzu sollte sie ihre Rot-Kreuz-Armbinde ablegen, woraufhin Ernst-Zettl beim Sicherungszugführer, einem Oberleutnant, vorstellig wurde, um zu melden, dass sie im Sinne des humanitären Völkerrechts Nichtkombattant sei und daher für derartige Aufgaben nicht eingesetzt werden dürfe.
Allein für ihre Meldung und den Versuch, sich an die Genfer Konventionen zu halten, wurde die Soldatin mit einer Disziplinarbuße von 800 Euro belegt und "repatriiert" - sprich: strafweise nach Deutschland zurück beordert. Sie habe mit ihrem Verhalten den Sicherungszugführer verunsichert und so den ordnungsgemäßen Dienstablauf behindert, hieß es zur Begründung. Offenbar sollte ein Exempel statuiert werden, um Soldaten abzuschrecken, die sich in ähnlicher Weise mit rechtlichen wie moralischen Implikationen ihres Handelns auseinander setzen könnten.
Der später beschrittene Rechtsweg ergab, dass ihre Bestrafung sich mit dem geltenden Recht deckt. Also dem auf dem Papier, nicht dem des gesunden Menschenverstandes (TM).
Was lernen wir daraus? Die Demokratie, welche unter anderem durch die deutschen Soldaten am Hindukusch verteilt werden soll, ist offenbar eine spezielle Maßanfertigung und hat nichts mit dem handelsüblichen Modell zu tun, in dem das Gewissen des Einzelnen dessen Handeln lenkt. Was ich mich an dieser Stelle frage: Was unterscheidet es dann vom abgelösten? Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor Hauptfeldwebel Christiane Ernst-Zettl. Solange es noch selbstständig denkende Menschen in Flecktarn gibt, ist nicht alles verloren. Noch nicht.
