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Mittwoch, 10. Januar 2007 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

Euro netto kann ein Lehrer mehr verdienen, wenn er aus Berlin weg nach Hamburg zieht, berichtet hier der Tagesspiegel. Als der im Artikel erwähnte Pädagoge im Oktober seinen Weggang ankündigte, fanden sich Eltern zusammen, die ihm aus eigener Tasche 500 Euro zahlen wollten, bis ihm der Senat ein neues, ordentlicheres Angebot unterbreitet. Hat nix genützt.

So sieht es in Berlin aus - angesehene Schule, angesehener Lehrer, Bedrohung des bilingualen Zuges, die Eltern tun sich zusammen. Und in Leipzig?

Im Gespräch mit einem Schulleiter tun sich Abgründe auf. "Seine" Schule liegt nicht unbedingt in einem klassischen Brennpunktviertel; zugegebenermaßen sind die Mieten billig und das Klientel in diese Richtung gestaffelt, aber man ist noch weit weg von Rütli-Verhältnissen. Zum Thema Familienstruktur:

Die wenigsten Zeugnisse werden von zwei Elternteilen unterschrieben, und wenn doch, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der männliche Unterzeichner gleichsam der leibliche Vater ist.

Oder zum immer stärker werdenden Trend der Patchworkfamilie:

...dann kommt ein neuer Mann in die Familie und das Augenmerk geht weg von den Kindern hin zum neuen Liebhaber. Was dann kommt ist klar: Die Kinder leiden unter der emotionalen Vernachlässigung, die im schlimmsten Fall mit einer materiellen einhergeht. Bei den folgenden Aktivitäten, welche die Kinder natürlich mitbekommen, wundert es dann auch niemanden mehr, wenn man am nächsten Morgen mit Aussagen wie "Die hamm die ganze Nacht wieder gefickt!" konfrontiert wird. Das geht dann sogar so weit, dass Sprüche wie "Fick doch deine Katze!" dem Lehrer gegenüber getätigt werden.

Im Vergleich zum obigen Berliner Beispiel also eine ganz andere Liga, deren Kontrast vielleicht dazu dienen kann, die alltäglicheren Sorgen der meisten Lehrer zu beleuchten. Übrigens gibt es auch zu den Eltern ein klares Statement:

Wir müssen diese miterziehen. Das klingt komisch oder anmaßend, aber es ist die traurige Realität. Die Schule schliesst z.B. Verträge mit den Eltern: Sie sollen die Überprüfung der Hausaufgabenerledigung vornehmen, Sorge dafür tragen, dass die Kinder in der Schule erscheinen, oder dass sie Angebote zur Hausaufgabenhilfe nach dem Unterricht wahrnehmen. Das geht ungefähr zwei-, dreimal gut und dann schleift sich der Schlendrian ein. Werden die Eltern später darauf angesprochen, heisst es meist "Hamwer verpeilt". Auf dieser Grundlage können sie hier teilweise rotieren wie ein Ventilator. Die Frage ist dann, ob ihre Anstrengungen für Frischluft in den Köpfen der Eltern sorgen. Meine Antwort: Seien sie nicht zu optimistisch.

Am faszinierendsten fand ich aber diese Sätze auf meine Frage, ob und wie viel man als Lehrer in der täglichen Praxis und unter solchen Bedingungen an seelischem Ballast und innerer Anteilnahme mit nach Hause nimmt.

Sie können nicht die Welt retten. Aber sie können in den Biografien der Kinder Spuren hinterlassen.

Ich glaub, hier bin ich richtig. Das Praktikum startet im März.

Große Kunst 12 - Tag der Abrechnung

Samstag, 6. Januar 2007 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

Lizzy-Online war im Schauspiel und hat eine Kritik über den Hauptmann von Köpenick hinterlassen. Da heisst es unter anderem:

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Mittwoch, 3. Januar 2007 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

Bronzeplastik am Rathaus von KöpenickGenau so viele Jahre ist er nun tot, der Wilhelm Voigt, auch bekannt als Hauptmann von Köpenick. Sogar zu seiner Beisetzung führte er noch seine Mitmenschen vor: Angeblich begegnete der Trauerzug einem Trupp französischer Soldaten, die zu diesem Zeitpunkt in Luxemburg stationiert waren. Auf die Frage des Truppführers, wer denn der Tote sei, antwortete die Trauergemeinde "Le Capitaine de Coepenick". Daraufhin habe der Truppführer in der Annahme, hier werde ein echter Hauptmann (frz.: Capitaine) zu Grabe getragen, seine Leute angewiesen, den Leichenzug mit einer militärischen Ehrenbezeugung passieren zu lassen.

Insofern fühle ich mich dem ollen Schuster sehr nahe: Ich bin selber jahrelang als Industriemechaniker durchgegangen, obwohl ich damals wie heute zwei linke Hände mit zehn Daumen besitze. Aber der Besitz einer blauen Latzhose schien zu genügen.

(Quelle: Wikipedia, von dort auch das Foto von Lienhard Schulz)

Große Kunst 11 - Das erste Mal

Dienstag, 2. Januar 2007 ~ Kommentier mich...(0) ~ Twitter mich...

Nun ist es endlich geschafft. Die Premiere ging ohne Vorfälle oder größere Hänger über die Bühne, die Schauspieler haben wie vorausgesehen ihr eigenes Stück gespielt und damit die Leute gut unterhalten. Erstaunlich aber, wie unterschiedlich das Publikum an den verschiedenen Abenden war: Während die Premierenbesucher mitgingen und auch an Stellen lachten, von denen wir es nicht erwartet hätten, schienen die Silvestergäste (Generation Ohnsorgtheater) ihren Humor auf Sparflamme laufen zu lassen; nur die etwas gröberen Zoten oder klar ersichtlichen Witze wurden mit einem Lächeln quittiert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Mitwirken als Statist im Theater eine sehr wertvolle, anstrengende, lohnende, manchmal auch skurrile, dafür aber sehr schöne Erfahrung ist. Gerade im Hinblick auf meine zukünftige Deutsch-Lehrtätigkeit habe ich eine Menge Einblicke in das Inszenieren eines Dramas mitgenommen. Was da bisher an Informationen über Theorien als totes Wissen in meinem Hirn vor sich hergammelte, belebte sich und wurde greifbar. Übrigens sind wir nun endlich auch mal vom Reschissör gelobt worden - Unheimlicher Motivationsschub.

Wer sich den "Hauptmann" selber ansehen möchte, kann dies jetzt bis Februar noch viermal tun. Weiter Vorstellungen sind am 13. Januar sowie am 3., 14. (Valentinstag!) und am 23. Februar 2007, jeweils um 19.30 Uhr. (Ich bin übrigens der mit der Brille.)

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Dieser Beitrag stammt von der Internetseite http://www.flohbu.de und wurde am 6. Juli 2009, um 22:28 Uhr ausgedruckt. Alle Inhalte unterliegen der Creative Commons Lizenz. Es ist Ihnen gestattet, das Werk zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Zu den folgenden Bedingungen: