Große Kunst 10 - Das große Einpacken
Samstag, 30. Dezember 2006
Man beachte bitte das "groooße" Einpacken innerhalb von 16 Sekunden. Und ja, es war zu langsam...
Spektakuläre Choreografie, Martial-Arts-verdächtig.
Wie ein Hühnerhaufen auf der Flucht vorm Fuchs - Es winken Bier und Bockwurscht.
Große Kunst 9 - Premiere ante portas!
Samstag, 30. Dezember 2006
Premiere ante portas!
Endlich ist es soweit, das Proben hat ein Ende. Hier mal ein kurzes Best of der letzten Tage:
Mittwoch: Die Proberei hat sich eingeschliffen, die Statisten funktionieren, der Reschissör beschwert sich nicht mehr und keiner weiß warum, denn wir machen nix anders als zuvor. Leidig ist nur die Warterei. Wir werden für 20.00 Uhr bestellt. Unser Auftritt: 21.45 Uhr. Da wir die Proben pauschal entlohnt bekommen, beim Assistenten nachgefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn wir morgen etwas später kämen. Dieser überschlug schnell die Spielzeit und meinte, dass halb Neun auch ok wäre.
Donnerstag: Fahre 20.40 Uhr mit dem Aufzug zu den Garderoben. Plötzlich höre ich Musik - Die Musik der achtzehnten Szene. Die Effekte der achtzehnten Szene. Die Dialoge der achtzehnten Szene. Kurzum: Die komplette Geräuschkulisse der fünf Minuten langen achtzehnten Szene. Kein schlechtes Timing, denn die Statisten werden in Szene 19 auf der Bühne gebraucht. Hochgeschwindigkeitsumziehen, "mein" Bart wird im Rennen angeklebt und direkt raus. Glück gehabt.
Freitag, Doppelprobe: Für 10.30 Uhr bestellt. Ein kurzer Kontrollblick zeigt geschäftige Bühnenarbeiter und gerade ankommende Schauspieler! Angstvorstellung: Sollen wir also noch zwei Stunden hier rumdödeln? Glück gehabt: Der Reschissör fängt mit unserer Szene an. Danach wollen wir uns mal die Proben vom Zuschauerraum aus ansehen, praktisch als einzige Gelegenheit das komplette Stück zu genießen. Wir setzen uns mucksmäuschenstill in die letzte Reihe; wahrscheinlich sind aber unsere "vibrations" zu negativ oder weiß der Kuckuck was, jedenfalls schickt Herr Wichtig seinen Assistenten zu uns hoch und lässt uns mitteilen, dass wir uns doch bitte verkrümeln sollen: Wir wären zu laut. Ich weiß ja nicht, ob sie's wussten, aber Gerüchte besagen, dass während den Vorstellung weit mehr Leute im Raum sein werden als nur 5 Statisten...
Spät abends dann endlich die letzte Probe. Alles ok. Herr Wichtig hat es in all den Wochen geschafft, seine Schauspieler mit Textakribie zu Ungunsten der Spielfreude zu frustrieren. Super Voraussetzungen für ein Stück mit komödiantischen Anteilen. Aber wie ich die Mimen kennengelernt habe, machen die sowieso alles wieder anders, also besser. Hochnotpeinliche Alberei zum Schluss: Man lässt das komplette Ensemble eine Viertelstunde lang mehrfach antreten, an den Händen fassen, vor und zurück gehen. "Applausordnung einüben" nennt sich das. Dabei steht am Bühnenrand der Reschissör und ruft die Namen derjenigen, die rauskommen und sich verbeugen sollen. Ich hoffe, dass wir das nur bei den ersten beiden Vorstellungen mitmachen müssen. Ansonsten muss ich mir eine Ausrede einfallen lassen. Vielleicht irgendwas religiöses.
Samstag: Ich versuche meine Gedanken nicht die ganze Zeit beim Auftritt sein zu lassen. Jetzt sitzte ich hier und blogge darüber. Tolles Durchhaltevermögen. Bin aufgeregt, obwohl ich schon weit mehr auf einer Bühne gemacht habe, als mit einem Karton still zu stehen. Wer aber heute nicht im Theater sein kann, sollte gegen 21.45 Uhr hier nochmal vorbeischauen. Dann gibt es nämlich die Helden der Arbeit live on tape zu sehen.
Große Kunst 8 - Geschenke
Sonntag, 24. Dezember 2006
an unsere treue Leserschaft zum Weihnachtsfest: Anstatt eines weiteren Artikels über das wartende Dasein als Schauspielhaus-Statist präsentiere ich euch ein paar Bilder, die bekanntlich ja mehr sagen sollen als 146 Worte. Viel Spaß damit!
Große Kunst 7 - Quickies
Mittwoch, 20. Dezember 2006
Aber hallo, hätte ich doch im Weihnachtstrubel beinahe die letzte Schauspiel-Episode verpasst. Aber besser spät als nie. Also: Wir waren alle pünktlich da. Die Garderobieren legten uns Testanzüge heraus, die am Fußende zu kurz, dafür um die Brust rum zu eng waren. Außerdem durften wir erstmalig die höhergelegten Mantaletten zum über die Bühne rennen und zinnsoldatieren tragen. Und dann warteten wir.
Und warteten.
Noch länger.
Echt lang.
Da! Ein Aufruf! Aber nicht für uns. Also weiterwarten.
Genug Zeit, um den Aufstand zu proben. Ein Statistenkollege spielt u.a. auch in einem anderen Stück mit und meinte, dass das uns angebotene Salär etwas mickrig sei. Er bekäme für vergleichbaren Aufwand einen Zehner mehr. Ein Aufruf! Wieder nicht für uns. Warten.
Nachdem nun alle Armee-Geschichten erzählt waren, beschlossen wir, bei U. mehr Kohle zu fordern; hätten sie uns nicht so lang warten lassen, wäre niemand auf die Idee gekommen. Naja. Klassenkampf ist halt überall. Unsere Druckmittel: (Teure) Maßangepasste Anzüge und extra hergerichtete Schuhe. Unser Talent: Wir hörten bei 1,80 m nicht auf zu wachsen. Müsste eigentlich reichen.
Ein Aufruf! Endlich waren wir mit dran. Wir gingen hinter die große Bühne. Die richtigen Schauspieler waren schon eine Weile beschäftigt, freuten sich aber, den sprintenden Hiwis des Klamaukstücks zusehen zu dürfen. Man versprach sich wohl einiges von Schlacksen in unpassenden Klamotten.
Das es jetzt aber Ernst wird, macht uns auch die Kulisse klar, denn statt einer Wand aus braunem Packpapier fordert nun eine echte Pressspanplatte den Hauptmann und seine Männer heraus. Der dachte aber nicht im Traum daran, über eine drei Millimeter starke Planke zu gehen, besonders nicht, wenn hinter ihm noch vier Gestörte mit Pappkisten herausstürmen sollten. Er malte dem Assistenten aus, wie wir alle gar fürchterlich auf unsere Gesichter stürzen würden, wenn wir die wenig durchdachte, aber sicher gut gemeinte und entsprechend gemachte Konstruktion überqueren, um freudig erregt spielend den Raum der Handlung zu betreten.
(Eigentlich meinte er eher, dass er nicht bekloppt sei, über das dünne Brett zu rennen, welches dann garantiert durchbricht und wir alle beim Versuch die Bühne zu betreten auf die Fresse fliegen würden, bloß weil jemand die Scheisse nicht zu Ende gedacht hat. Aber ich weiß nicht, ob ihn das in einem blöden Licht dastehen lässt, denn er sorgte sich ehrlich um unser aller Wohlbefinden. Daher Disclaimer: Dies ist nur eine gedächtnisreproduzierte Paraphrase!)
Ach ja: Der Reschissör war auch da. Wie immer bewegten sich seine kargen Anweisungen zwischen Gestammel und Wiederholen des Gestammelten. Doch wir wussten was zu tun war. Fraglos aber das Falsche, denn Herr Wichtig war wieder nicht zufrieden. War aber auch nicht schlimm, denn all das Warten, all die Diskussion um Auftritte und all die erneut vorgeworfene Hammelherdigkeit gipfelte in den Worten:
So, das wars jetzt. Bis zum nächsten Mal!
Keine schlechte Sache: Zwei Stunden Trara für nur einen Probenauftritt - Mal sehen, was das morgen wird, denn da steht eine mittäglich-abendliche Doppelprobe an.
Große Kunst 6 - Mach dich nakisch!
Dienstag, 12. Dezember 2006
Schon wieder ist das Kind krank - Bronchitis. Aber keine Zeit zu Trauern, "Positiv denken!" lautet das Gebot der Stunde. Wiedermal Ortstermin, diesmal im sogenannten Herrenzuschnitt. "Bitte vormittag, wenns geht", fragte die Schneiderin gestern telefonisch an. "Nur wenn ich meinen Zwerg mitbringen darf - der ist nämlich krank. Aber keine Angst, er bleibt im Wagen..."
Was folgte, war die pure Extase einer Schneiderin: Natürlich könne ich ihn mitbringen! Es sei kein Problem, ganz im Gegenteil, man freue sich ja so...Gefühlte zehn Minuten später..."Ja, also denn, bis morgen, wir freuen uns ja alle."
Schauspielhaus, Bühneneingang: Ein neuer Pförtner. Dabei hatte ich mich schon so an den alten gewöhnt. Der Neue scheint früher selbst beim Hauptmann von Köpenick mitmarschiert zu sein, sein Duktus hat etwas befehlendes. Auf meine Anfrage, ob er mal bei den Köstümetten anrufen könnte, antwortete er mit "Dreifünfneun!". Verwundert dachte ich daran, mit "42" zu antworten - stattdessen wiederholte der Uniformierte sein "Dreifünfneun!" und zeigte dabei auf das Haustelefon.
Eine junge Frau, ebenfalls im Vorraum wartend, staunte über die eigenartige Kommunikation. "Das geht aber einfach!", hörte ich sie noch hinter mir sagen. Ich telefonierte mir gerade meine Zugangserlaubnis herbei, da ging sie ihrerseits zum Pförtner. Der meinte, vollkommen untypisch und vorallem uncodiert, dass es Eintrittskarten für die von ihr angedachten Vorstellungen nebenan gäbe; hier sei sie am Bühneneingang.
Im Herrenzuschnitt: Die fleissigen Mitarbeiterinnen hatten mir übers Wochenende einen fabelhaft passenden Anzug genäht und die Requisite ein paar unglaublich ätzend aussehende, halbhohe Stiefeletten der Größe 46 besorgt, von denen ich nicht begreife, wieso sie mir überhaupt passten, denn normalerweise habe ich eine Nummer größer! Wie kann das sein? Ich laufe seit vier Wochen durch sämtliche Leipziger Geschäfte, finde dort lediglich Badeschlappen und Schuhe, die mein Opa nicht angezogen hätte, vor, und die Requisite geht spontan los und findet nominell zu kleine Schuhe die dann auch noch passen!
Wieder daheim: U. ruft an.
"Hör mal, U. hier. Also" - bedeutungsschwangere Pause; entweder ich bin gefeuert oder ich muss eine Hauptrolle übernehmen und 200 Seiten Text in vier Stunden lernen - "nochmal wegen dem Honorar." (Interessante Formulierung: "Nochmal" - Das ist das erste Mal!)
U. schnauft, als lägen drei Rummelcatcher auf ihm. Es scheint schwere Zerwürfnisse in der Verwaltung zu geben. Bemerkenswerterweise liegt das ganze Gespräch über eine Atmosphäre in der Luft, als hätten wir letzte Woche höchstpersönlich 14 Stunden in verrauchten Hinterzimmern mit Pokerkarten und jeder Menge Schnaps um Hollywood-Gagen gezockt. U.s kleines Reval-Raucherherz hebt wieder an.
"Also: Ich kann Euch keine X Euro geben. Ihr seid doch höchstens zehn Minuten auf der Bühne. Da steigt mit meine Verwaltung aufs Dach."
"Hm. Und nu?", frage ich.
"Ich kann euch höchstens X*0,5 zahlen. Das wären dann Y für die Proben und X für die Auftritte" rechnet U. vor.
"Das ist doch ok" beruhige ich ihn - im Hinterkopf natürlich die luxuriöse Haltung, dass ich es sogar für lau, also einfach aus Spaß gemacht hätte.
"Das ist aber fein! Danke für dein Verständnis!"
U. klingt deutlich erleichtert. Dem Klang seiner Stimme nach scheint er mich als letzten angerufen zu haben, immer in der Hoffnung, dass ich nicht wie die vier vor mir abspringe. Mal sehen, wieviele wir noch am Freitag sind.
