Goethes Verneigung vor Rilkes Koch
Freitag, 12. Mai 2006
Der Mensaspaziergang
(Frei nach Joe Wolle von Goethe)
Vom Tran befreit sind Möhr' und Erbse,
Durch des Koches holdes Sieb,
Und beim Student grünt Hoffnungsglück;
Der alte Chefkoch, in seiner Schwäche,
Zog sich ins ARGE-Amt zurück.
Von dorten sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtig Rezept' körniger Soß'
In Streifen über die grünende Wurst;
Aber die Mensa duldet kein Fades,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Würze beleben;
Doch an Geschmack fehlt's im Revier,
Sie nimmt fein Glutamat dafür.
Wag es dir nicht, von diesen Töpfen
Nach dem Mahl zurück zu sehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor!
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sättigt sich heute gern mit Ox.
Sie feiern die Auferstehung des Blogs,
Denn sie sind selber auferstanden;
Aus nied'ren Servern dumpfen Speichern,
Aus Software und WLAN-Connect,
Aus dem Druck von Tasten und Mäusen,
Aus des Tresens quetschender Enge,
Aus der Mensa ehrwürdiger Nacht
Sind alle sie an's Kässchen gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Vorbei an WOK und Reihen sich schlägt,
Wie der Fluß in Breit' und Länge in
So manch lustig' Posting bewegt,
Und bis zum Stumpfsinn überladen
Entfernt hier sich mein letzter Post.
Selbst von der Cafeten ferner Kassen
Blinken uns farbige Limos an.
Ich höre schon des Profs Getümmel,
Hier ist des Studis wahrer Himmel,
Zufrieden mampfet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier hau ich rein.
(Gewidmet den Mensabloggern, bei denen es auch ganz große Pösie & Dramatik gibt!)
