Alles in Ordnung
Montag, 1. Februar 2010
Jeder vernünftige Mensch wisse, dass Steuerhinterziehung geahndet werden müsse, sagt SIe (CDU). Daher sei es natürlich legitim, an die Daten der angeblichen Steuersünder zu kommen und zwar um jeden Preis. Was kommt als nächstes? Vielleicht Präventivfolter für der Steuerflucht Verdächtige? Derart gewonnene Aussagen müssten dann doch ähnlich rechtsstaatlich tragbar wie die Bits und Bytes vom freundlichen Dealer von nebenan.
Das Kosten-Nutzen-Verhältnis soll übrigens 2,5 zu 100 Millionen betragen (ohne Pfandbons); abzüglich der Tatsache, dass man hier Diebe aus Steuermitteln finanziert, klingt das nach einem guten Schnitt, wenn man fortan mit dem Wissen leben kann, dass Moral an den Schreibtischen unserer Ministerien den fiskalischen Verwaltungsrundschreiben nachgeordnet ist.
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In Thüringen wurde heute entschieden, dass der regionale Elektrizitätsanbieter berechtigt ist, einer Mutter nebst zweijährigem Kind im Winter den Strom abzustellen: "Der Energieversorger hat keine hinreichende Aussicht, ob sie als Kundin irgendwann einmal einer Zahlungsverpflichtung nachkommt", so die Richterin. Selbst wenn die Schuldnerin jeden Monat 100 Euro bezahle, bräuchte sie zur vollständigen Tilgung der 2000 Euro zwanzig Monate. ZWANZIG!
Ob die junge Frau im Nebenklageverfahren der Hexerei schuldig gesprochen wurde und die Energiegewinnung durch ihre öffentliche Verbrennung auf ihr negatives Vermögen anrechenbar ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
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Der Leipziger City-Tunnel, der einen eher niedrig frequentierten Teil der Stadt mittels unterirdischem Bahnverkehrs und den Hauptbahnhof verbinden soll, wird Surprise! Surprise! teurer als gedacht. Statt der ursprünglich veranschlagten 500 Millionen Euro soll das ... Projekt ... nun 972 Millionen Euro kosten. Dafür wird er auch ein Jahr später fertig als geplant. Dass obdachlose Mütter mit Kind bis zur Fertigstellung in der Riesenröhre nächtigen dürfen, erwies sich im Nachhinein als Gerücht.
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Die vier Schwimmbad-Kassiererinnen, die von der Stadt Worms wegen einer illegalen Trinkgeldkasse und der Unterschlagung von Fundmünzen entlassen wurden, dürfen nun wieder für ihre Kommune arbeiten. Man einigte sich außergerichtlich darauf, dass der kriminelle Clan zerschlagen und an anderer Stelle eingesetzt wird. An der Kasse im Zoo. Zur Erinnerung: Die Ruchlosen haben sich durch ihre Verschlagenheit ein Kapital von 34,02 Euro erschlichen. Ohne Pfandbons. In mehr als 20 Jahren Betriebsangehörigkeit.
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Perverse Teil I: Ein Sexualstraftäter, der von den Experten die Prognose "Gefahr: Neigt zu Rückfällen!" erhielt, ist jetzt entlassen worden, weil die zuständige Staatsanwaltschaft die Beantragung der Sicherungsverwahrung versäumte. Um geschmeidige drei Jahre.
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Perverse Teil II: Wieder hat eine Zugbegleiterin eine Minderjährige nächtens des Zuges verwiesen, obschon alle Mitarbeiter im Jahr 2008 von der Firmenleitung eine SMS (!) mit der Anweisung erhalten haben, dies doch bitte aus Publicitygründen zu unterlassen. Diesmal fehlten der Schülerin zwei Euro.
Die verbleibenden drei Stationen wären bei minus 19°C sicher per pedes zu schaffen gewesen; gnädigerweise hat aber die Bahn AG der Jugendlichen die unentgeltliche Benutzung des Bahnsteigs erlaubt, auf dem sie während der sechzig Minuten Wartezeit auf ihre Abholung hoffentlich in sich ging und zur Buße fand.
Zum Glück war die Bahnhofshalle verschlossen. Nicht auszudenken was passiert wäre, hätte sich das Gör in einen elektrisch beleuchteten Raum mit Heizung aufgehalten. Womöglich wären ihr am Ende noch Fundmünzen in die Hände gefallen! Oder Pfandbons!
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Ein Tag in Deutschland. Vertrauen Sie uns. Wir wissen, was gut für uns ist.
Wie man einen Nazi seziert
Dienstag, 26. Januar 2010
Ok, die Lage ist wie folgt: Auf die Frage, was Satire so darf, rufen die meisten Halbgebildeten ALLES!. Darunter auch die vielen Vollhonks, die nicht begreifen, dass Satire nicht nur alles dürfen darf, sondern auch alles sollen soll.
Es geht also um Rechte und Pflichten. Es besteht das Recht der spitzen Feder, des gekonnten Bonmots, der eleganten Verballhornung. Aber auch die Pflicht der Würdebewahrung und der Demaskierung. Denn nur die ist effektiv. Alles andere macht Hofnarren zu Märtyrern.
Wie das genau angestellt werden sollte, zeigt uns Kaiser Robert Heinrich I., der allen, die sich allzu voreilig dem Abgesang auf die Alpenrepublik anschließen wollen, zeigt, dass in Österreich noch nicht alles verloren scheint. In seine Sendung "Wir sind Kaiser" (nicht zu verwechseln mit der BILD-Schlagzeile "Wir sind Papst!") lud er sich anfang diesen Jahres den FPÖ-Politiker HC Strache ein.
Für die provinzpolitisch Unbewanderten unter meinen beiden Lesern: Strache ist eine Mischung aus Naddel, Adolf Hitler und dem Geruch einer Darmspülung. Wenn auch eine sehr telegene.
Und das ist für euch, die ihr euch da draußen als Lästermäuler über die Kleinigkeiten der besitzstandwahrenden Lokalpolitiker mokiert, die ihr fiktive Charaktere aus Problembezirken darstellt oder permanent Mario Barth seid: Lernt daraus. Oder schweigt.
Für immer.
Amen.
(Und wer danach mal noch schnell 'nen Schwulenwitz reißen mag, dem sei dieses Video empfohlen. Ab Minute 6:50. Lachen's ruhig. Es sind schließlich ja nur die anderen...)
Beklemmung, täglich frisch
Dienstag, 26. Januar 2010
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Personalchefs, die aus den Daten sozialer Netzwerke ein Persönlichkeitsprofil erstellen wollen, glauben sicherlich auch fest daran, am Geräusch entweichender Flatulenzen den Kaloriengehalt der letzten drei Mahlzeiten errechnen zu können. Auf zwei Stellen hinterm Komma.
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Sensibilität kann an der Reaktion auf äußere Einflüsse abgelesen werden. So fand ich auch den Grund für meine Weinerlichkeit bezüglich Filme aller Art. Und es handelt sich dabei nur um einen Vorspann! (via ligneclaire@twitter)
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Sehe gerade Jud Süß und Der ewige Jude. Stelle frappierende Parallelen zu diversen Formaten auf RTL2 bezüglich der Bild-Musik-Hintergrundkommentar-Komposition fest.
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Es bleibt kalt. Schön ist das nicht. Schlimm aber auch nicht.
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Oettinger (das Bier) bürgt auf ganz spezielle Art für eine ganz spezielle Art von Qualität. Oettinger (der Günther) ebenso. Für die jüngeren unter unseren Lesern: Der Onkel gehört zu den Leuten, die euch immer und immer wieder erzählen, dass, strengt man sich nur genug an, jeder alles überall schaffen kann. Außerdem ist er mittlerweile EU-Kommisar, was seine These zu beweisen scheint. Oder auch nicht.
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Deutschland verkomme zu einer Bananenrepublik, höre ich immer wieder, gäbe es nicht die Verwaltungen, Behörden, Ämter, Regularien, Vergatterungen, Gesetze, Dienstanweisungen, Verordnungen und Traditionen. Schlimm wäre das nicht. Es schiene immer die Sonne und keiner litte unter Kaliummangel.
Gute Motorenventile sind Einstellungssache
Sonntag, 24. Januar 2010
Seit der Abschaffung aller Besucherzähler erlaube ich mir den Luxus der Quotenignoranz, daher die unregelmäßige Veröffentlichungsfrequenz. Nicht dass jemand mich darauf angesprochen hätte. Doch genug über mich.
Drei Dinge für den Abend:
Pädagogik
Sitzt man in einem durchschnittlichen Hauptseminar der Leipziger Erziehungswissenschaft, möchte man relativ schnell zwei Dinge tun:
- Sich ob der Überhand nehmenden Power-Point-Karaoke-Referate selbst entleiben, oder
- wenigstens nicht mehr den Satz "Das Wichtigste für Lehrer ist es, authentisch zu sein, glaub ich, also so wie man so wirklich ist." hören zu müssen.
Wie es um das Kind, diesem Störfaktor aller pädagogischen Theoriegebäude, in Deutschland 2010 bestellt ist, kann ganz wunderbar hier in der ZEIT nachgelesen werden. Ich würde mich als siebte Meinung noch mit dem Bonmot "Ich verhandle nicht mit Terroristen" anschließen wollen.
Poeterey
Der hochverehrte Andre von nebenan hat ein Video online gestellt, in dem er mit seinem Slam-Poetry-Kollegen Julius (Team Totale Zerstörung. Hörst du das, allmächtiger Algorithmus des Herrn?!) eine Ode an das Fahrrad absingt, ach was sage ich, ein für alle Male akustisch in die Weiten des Universums nagelt. KlingKling!
Prokrastinatorisches
Wären wir alle mit mehr Herz und Liebe bei dem, was wir so alltäglich tun, könnten wir also mit aller zur Verfügung stehender Offenheit sagen "Das was ich hier tat, vollbrachte ich mit Leidenschaft!", wäre die Welt ein besserer Ort. Dann führe der Transrapid seit Jahren schon, zöge die Staatengemeinschaft an einem Strang und den Schurkenstaaten die Lederhosen aus, ginge ich wirklich wieder gerne in die Universität.
Stattdessen sitze ich hier und überlege, wie viel vom chilenischen Rotwein meine Guppys wohl vertrügen, kippte ich diesen in ihr Aquarium, und ob es darüber hinaus wohl Auswirkungen auf das Raum-Zeit-Kontinuum hätte, denn es ist ein trockener.
Lesen bildet
Mittwoch, 20. Januar 2010
Onanieren für Profis: Der Ratgeber für Männer, von dem die Welt spricht (Taschenbuch).
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